Die EUDR meistern: Wie SAN-Mitglieder die bevorstehenden Herausforderungen angehen
- Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft

- 7. August 2025
- 3 Minuten Lesezeit
Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) stellt eine der bedeutendsten Änderungen der globalen Handelsregeln für Agrar- und Lebensmittelrohstoffe dar. Da entwaldungsfreie, legal produzierte und vollständig rückverfolgbare Produkte Voraussetzung für den Marktzugang in der EU sind, sehen sich Unternehmen entlang der Lieferketten von Kakao, Kaffee, Soja, Ölpalmen, Kautschuk, Holz und Rindern mit einer komplexen neuen Situation konfrontiert.
Um Unternehmen, Erzeugerorganisationen und öffentliche Einrichtungen bei der Erfüllung dieser Anforderungen zu unterstützen, hat das Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft (SAN) ein Dokument veröffentlicht. Strategiepapier zu den Herausforderungen, Auswirkungen und sich abzeichnenden Lösungsansätzen im Zusammenhang mit der Umsetzung der EUDR.

Ein komplexes Geflecht von Herausforderungen
Die Ziele der EU-Verordnung zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität (EUDR) sind zwar klar, der Weg zur Umsetzung jedoch alles andere als einfach. Das Strategiepapier benennt fünf zentrale Herausforderungen, denen sich Unternehmen und Organisationen stellen müssen, um die Verordnung wirksam einzuhalten:
1. Mangelndes Bewusstsein und fehlende Schulung
Viele Akteure entlang der Lieferkette, insbesondere Kleinbauern, sind sich der Verordnung nicht bewusst oder haben Unklarheiten hinsichtlich ihres Geltungsbereichs, ihrer Fristen und der erforderlichen Maßnahmen. Diese Wissenslücke stellt ein erhebliches Hindernis für deren Umsetzung dar.
2. Unzureichender Zugang zu Technologie
Die Einhaltung der EUDR erfordert robuste Datensysteme, einschließlich Geolokalisierungstools und Rückverfolgbarkeitsplattformen. Vielen Betreibern – insbesondere in abgelegenen oder ressourcenarmen Gebieten – fehlt jedoch die Infrastruktur, um diese Anforderungen zu erfüllen.
3. Koordinationsbarrieren in Lieferketten
Die Sorgfaltsprüfung beruht auf einem koordinierten Datenaustausch zwischen verschiedenen Akteuren, von Produzenten über Exporteure bis hin zu Zertifizierungsstellen. In vielen Fällen erschweren fragmentierte Kommunikationswege und fehlende standardisierte Protokolle diesen Prozess erheblich.
4. Risiken, die nicht unter die Verordnung fallen
Da sich die EUDR auf bestimmte Rohstoffe und Waldökosysteme konzentriert, besteht die Sorge, dass sie den Druck der Entwaldung und Degradierung unbeabsichtigt auf andere ökologisch wertvolle Gebiete wie Grasland oder Feuchtgebiete verlagern oder risikoreiche Rohstoffe, die noch nicht einbezogen sind, vernachlässigen könnte.
5. Blinde Flecken im Bereich der sozialen und menschenrechtlichen Belange
Die EU-Kinderrechtskonvention fordert zwar die Einhaltung der Gesetze in den Herkunftsländern, orientiert sich aber nicht explizit an internationalen Menschenrechtsstandards. Dies birgt die Gefahr, dass kritische Probleme wie Zwangsarbeit, Kinderarbeit und geschlechtsspezifische Ungleichheiten übersehen werden, insbesondere in Regionen mit schwacher Rechtsdurchsetzung.

Praxisnah: Was SAN-Mitglieder tun
Dieser Beitrag stützt sich auf das Wissen und die Erfahrungen von SAN-Mitgliedern, die in Afrika, Asien und Lateinamerika tätig sind. Diese Organisationen beobachten nicht nur die Auswirkungen der EU-Verordnung, sondern unterstützen Produzenten, Unternehmen und Gemeinden direkt bei der Anpassung an die neue Verordnung.
Organisationen wie Von der Natur bevorzugt, Wildes Asien, CottonConnect, Und Imaflorabieten Instrumente zur Rückverfolgbarkeit, Ressourcen für die Sorgfaltsprüfung und gezielte Schulungen an. Andere wie beispielsweise Setara Jambi Stiftung, Warenkorb, ASK, Und CABISie befassen sich mit Lücken in der Dokumentation von Landbesitzverhältnissen, partizipativer Kartierung und sozialen Schutzmaßnahmen. Gleichzeitig laufen Kooperationsinitiativen mit Beteiligung von Globale Naturstiftung, Natura Foundation, Earth Net Foundation, ADCsowie externe Organisationen wie UNDP and CoopeTarrazúSie veranschaulichen unter anderem, wie nationale Plattformen, Kooperationsmodelle und jurisdiktionelle Ansätze koordinierte Compliance-Bemühungen vorantreiben können.
Ihre Arbeit verdeutlicht das Potenzial vernetzter, lokal verankerter Lösungen, um Regulierung nicht nur durchsetzbar, sondern auch wirksam zu gestalten.
Von Herausforderungen zu praktischen Lösungen
Das Papier bietet keine allgemeingültige Lösung. Stattdessen skizziert es wichtige Bereiche, in denen SAN-Mitglieder praktische, oft replizierbare Lösungen erproben oder skalieren, um die Belastungen der EUDR-Implementierung zu verringern. Dazu gehören:
Barrierefreie Schulungsprogramme und Selbstbewertungsinstrumente
Digitale Plattformen für Geolokalisierung und Rückverfolgbarkeit, auch in Umgebungen mit geringer Konnektivität
Modelle zur Koordinierung der Lieferkette, einschließlich der Zertifizierung nach Zuständigkeitsbereichen
Schutzmaßnahmen für gefährdete Ökosysteme und Rohstoffe außerhalb des Geltungsbereichs der EUDR
Ansätze, die internationale Menschenrechtsstandards in lokale Lieferkettenkontexte integrieren
Diese Bemühungen sind fortlaufend und dynamisch – sie stellen aber reale, erprobte Antworten dar, auf denen andere in der Branche aufbauen können.
Strategiepapier herunterladen
Ob Sie ein Unternehmen sind, das sich auf die Einhaltung der Vorschriften vorbereitet, eine Erzeugerorganisation, die Kleinbauern unterstützt, oder ein politischer Entscheidungsträger, der die Umsetzung gestaltet, Strategiepapier der EUDRbietet Einblicke, Klarheit und Inspiration.
Über SAN
Das Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft (SAN) ist ein globales Netzwerk gemeinnütziger und gewinnorientierter Organisationen, das sich für nachhaltige Landwirtschaft durch lokale Maßnahmen und globale Zusammenarbeit einsetzt. Mit Mitgliedern in über 60 Ländern engagiert sich SAN dafür, Landwirten, Landarbeitern und ländlichen Gemeinschaften zu einem besseren Leben zu verhelfen – und gleichzeitig Ökosysteme zu schützen und nachweisliche Nachhaltigkeit in den Lieferketten zu gewährleisten.
Um mehr über unsere Arbeit zu erfahren oder sich an der Diskussion rund um die EUDR zu beteiligen, besuchen Sie de.sustainableagriculture.eco.




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